Erfahrungsorientierte Natur-Prozessbegleitung
in der psychotherapeutischen Praxis
Psychotherapeutische Prozesse finden nicht nur im Gespräch statt. Körperwahrnehmung, innere Bilder, Rhythmus und die unmittelbare Begegnung mit der Natur eröffnen oft Zugänge, die sich über Sprache allein nicht erschließen lassen.
Diese Fortbildung vermittelt natur- und erfahrungsorientierte Methoden für die psychotherapeutische Praxis. Im Zentrum stehen die eigene Erfahrung, die fachliche Reflexion und der konkrete Transfer in den therapeutischen Alltag.
Natur als Erfahrungs- und Resonanzraum
Die Natur bietet einen unmittelbaren Raum für Wahrnehmung, Selbstreflexion und Perspektivwechsel. In achtsamen Naturgängen und naturbezogenen Reflexionsprozessen erkunden wir, wie äußere Erfahrungen innere Prozesse anstoßen und neue Bedeutungszusammenhänge entstehen lassen können.
Der Jahreskreis dient uns dabei als symbolisches Modell für Entwicklung, Übergänge, Wachstum, Reife, Rückzug und Neubeginn.
Imagination, innere Bilder und Symbolarbeit
Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit Imagination und inneren Erfahrungsräumen. Geführte Imaginationsübungen eröffnen Zugänge zu Ressourcen, Gefühlen, Bedürfnissen und persönlichen Bedeutungen. Tierbilder, Landschaften und Naturphänomene können als individuelle innere Bilder erfahren und fachlich reflektiert werden.
Ergänzend arbeiten wir mit persönlichen Gegenständen und Naturmaterialien als Ausgangspunkt für Symbol- und Bedeutungsarbeit.
Körper, Rhythmus und Stimme
Körperwahrnehmung ist eine wichtige Informationsebene erfahrungsorientierter Prozessbegleitung. Wir arbeiten mit Atem, Erdung, Bewegung und Übungen zur Selbstregulation, ergänzt durch Rhythmus, Trommel, Stimme und Klang.
Dabei erforschen wir unmittelbar, wie sich Aufmerksamkeit, inneres Erleben und Gruppendynamik durch rhythmische und klangliche Elemente verändern.
Übergänge, Schwellen und ritualisierte Prozesse
Veränderung bedeutet oft: Etwas Altes endet, während das Neue noch nicht sichtbar ist. Wir beschäftigen uns mit solchen Übergängen und erkunden, wie bewusst gestaltete Prozesssequenzen Orientierung und Integration unterstützen können — und reflektieren symbolische und ritualisierte Formen der Prozessgestaltung hinsichtlich ihrer psychologischen Bedeutung.
Verbundenheit, Sinn und Spiritualität
Naturerfahrungen berühren häufig Fragen nach Sinn, Zugehörigkeit und persönlicher Bedeutung. Die Fortbildung eröffnet Raum für die fachliche Auseinandersetzung mit Spiritualität als individueller Erfahrungsdimension — nicht als Vermittlung einer bestimmten Weltanschauung, sondern als professionelle Wahrnehmung und Reflexion solcher Erfahrungen im therapeutischen Kontext.
Selbsterfahrung und professioneller Transfer
Alle Methoden werden zunächst selbst erfahren, anschließend gemeinsam reflektiert und auf ihre Übertragbarkeit in die psychotherapeutische Praxis untersucht. Dabei stehen unter anderem folgende Fragen im Mittelpunkt:
- Welche psychologischen Prozesse können durch Naturerfahrung und Imagination angeregt werden?
- Wie können innere Bilder und Symbole therapeutisch aufgegriffen werden?
- Wie lassen sich körperliche und nonverbale Wahrnehmungsebenen einbeziehen?
- Wie können Übergänge und Veränderungsprozesse erfahrungsorientiert begleitet werden?
- Welche Möglichkeiten, Grenzen und Kontraindikationen sind zu beachten?
- Wie bleibt die eigene professionelle Haltung dabei gewahrt?
Inhalte und Methoden im Überblick
- Naturbezogene Wahrnehmungs- und Achtsamkeitsübungen
- Imagination und Visualisierung
- Arbeit mit inneren Bildern und Symbolen
- Ressourcen- und Körperarbeit
- Jahreskreis als zyklisches Entwicklungsmodell
- Kreis- und Resonanzarbeit
- Rhythmus, Trommel, Stimme und Klang
- Ritualisierte Prozessgestaltung
- Selbstregulation, Erdung und Selbstmitgefühl
- Dankbarkeit, Verbundenheit und Sinnorientierung
Für wen?
Die Fortbildung richtet sich an Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und psychotherapeutisch Tätige, die ihr methodisches Repertoire um natur-, körper-, imaginativ- und erfahrungsorientierte Zugänge erweitern möchten.
Voraussetzung ist die Bereitschaft zu intensiver Selbsterfahrung und zur fachlichen Reflexion des eigenen Erlebens.
Fortbildungsdaten
Termin: 05.-08.11.2026
Uhrzeiten: Start am Do. 15-18 Uhr; Fr.+Sa je 9.30-18 Uhr; So. 9.30-13 Uhr
Ort: Karlsruhe Rüppurr, Rotes Haus
Kosten: 480,-€
Wissenschaftliche Leitung: Mona Pillmann, Dipl. Psych.
Seminarleitung: Katja Suntoyo
Anerkennende Kammer: LPK Baden-Württemberg
Fortbildungspunkte: 28
Übernachtung muss eigenständig organisiert werden.